Pferdefreund

Hallo liebe alle!

„So werden Pferd und Reiter echte Freunde“ verspricht eine Überschrift auf dem Titel der aktuellen CAVALLO (Ausgabe Juli 2017). Das interessiert mich. Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, es sei mir völlig egal, ob mein Pferd mir wohlgesonnen gegenübersteht oder mich nicht ausstehen kann. Ich denke, wir sind uns alle einig, wenn ich sage, dass wir uns eine gewisse gegenseitige Sympathie erhoffen. Als Hobbyreiter ist es mir persönlich sogar besonders wichtig, dass ich mein Pferd mag und dass mein Pferd auch mich mag. Wir wollen in allererster Linie Spaß und eine gute Zeit miteinander haben. Ich verdiene damit nicht mein Geld und der sportliche Erfolg steht auch nicht im Mittelpunkt. Aber Freundschaft?

Was ist Freundschaft?

Alleine darüber was Freundschaft unter Menschen bedeutet, kann man Bücher füllen. Ich befrage Wikipedia 😉 „Freundschaft ist ein auf gegenseitiger Zuneigung beruhendes Verhältnis von Menschen zueinander, das sich durch Sympathie und Vertrauen auszeichnet.“ Ich will auch Wikipedia zum Suchbegriff Pferdefreund befragen. Fehlanzeige – da gibt es nichts. Allerdings lande ich über google bei einem lustigen Pferdequiz mit dem Titel „Pferdefreund oder nicht“. Mein Ergebnis: Du magst Pferde zu 100%. Wie überraschend. Meine Lieblingsfrage aus dem Test: Warum machst Du den Test? Meine Antwort, die eigentlich schon direkt zu den 100 Prozent führen könnte: Weil ich Pferde liebe. Vielleicht könnte man auch argumentieren, dass die richtige Antwort auf diese Frage lauten müsste: Weil ich scheinbar zu viel Zeit habe und im Internet herumdödel. Werden wir wieder ernst. In der erwähnten CAVALLO steht, dass ein Pferd, das seinen Menschen mag, besser mitarbeitet. Das leuchtet doch ein. Ist ja im Verhältnis Chef und Mitarbeiter auch so, oder? Ab Freundschaft? Und was ist denn nun ein Pferdefreund?

Die Ethischen Grundsätze des Pferdefreundes

Was kann ich denn zu allererst als Mensch tun, um mich dem Pferd gegenüber „freundschaftlich“ zu verhalten? Dazu fallen mir „Die Ethischen Grundsätze des Pferdefreundes“ der Deutschen Reiterlichen Vereinigung ein:

  1. Wer auch immer sich mit dem Pferd beschäftigt, übernimmt die Verantwortung für das ihm anvertraute Lebewesen.
  2. Die Haltung des Pferdes muss seinen natürlichen Bedürfnissen angepasst sein.
  3. Der physischen wie psychischen Gesundheit des Pferdes ist unabhängig von seiner Nutzung oberste Bedeutung einzuräumen.
  4. Der Mensch hat jedes Pferd gleich zu achten, unabhängig von dessen Rasse, Alter und Geschlecht sowie Einsatz in Zucht, Freizeit oder Sport.
  5. Das Wissen um die Geschichte des Pferdes, um seine Bedürfnisse sowie die Kenntnisse im Umgang mit dem Pferd sind kulturgeschichtliche Güter. Diese gilt es zu wahren und zu vermitteln und nachfolgenden Generationen zu überliefern.
  6. Der Umgang mit dem Pferd hat eine persönlichkeitsprägende Bedeutung gerade für junge Menschen. Diese Bedeutung ist stets zu beachten und zu fördern.
  7. Der Mensch, der gemeinsam mit dem Pferd Sport betreibt, hat sich und das ihm anvertraute Pferd einer Ausbildung zu unterziehen. Ziel jeder Ausbildung ist die größtmögliche Harmonie zwischen Mensch und Pferd.
  8. Die Nutzung des Pferdes im Leistungs- sowie im allgemeinen Reit-, Fahr- und Voltigiersport muss sich an seiner Veranlagung, seinem Leistungsvermögen und seiner Leistungsbereitschaft orientieren. Die Beeinflussung des Leistungsvermögens durch medikamentöse sowie nicht pferdegerechte Einwirkung des Menschen ist abzulehnen und muss geahndet werden.
  9. Die Verantwortung des Menschen für das ihm anvertraute Pferd erstreckt sich auch auf das Lebensende des Pferdes. Diese Verantwortung muss der Mensch stets im Sinne des Pferdes gerecht werden.

Hier erhält jeder Punkt von mir zustimmendes Kopfnicken und meine 100 prozentige Zusicherung, dass ich diese Grundsätze immer einhalten will. Als Mensch kann ich also schon einmal mit der richtigen Einstellung an die Sache herangehen. Das Pferd kann ich aber nicht fragen, ob es mit mir befreundet sein will.

Woran erkenne ich denn, ob mein Pferd mich mag?

Das ist gar nicht so einfach zu beantworten. Ich habe hier ein Buch mit dem Titel „Richtlinien für Reiten und Fahren Band 4 – Grundwissen für Haltung, Fütterung, Gesundheit und Zucht“ (Auflage 17). Ab Seite 16 wird beschrieben, wie man freundschaftliches Verhalten vom Pferd erkennt. Genannt werden Bewegungen und Gesichtsausdrücke, die signalisieren, in welcher Stimmung das Pferd ist. Als freundschaftlich bzw. mindestens positiv werden Gesten wie Nasenkontakt, Belecken und Aufsuchen genannt. Offensichtlich unfreundlich sind angelegte Ohren, grimmiges Gesicht und ein zugedrehter Hintern. Wäre auch gut für Nicht-Pferdefreunde, wenn sie das deuten könnten. 😉 Hier steht auch noch einmal in Kürze, wie der Mensch sich verhalten soll: „Der Mensch muss die Rolle der sozialen Dominanz einnehmen“. Von einem sehr erfahrenen Pferdemann und Richter habe ich vor kurzem dazu auch gehört, dass bei aller Freundschaft die Sicherheit für den Menschen an oberster Stelle steht. Klingt vernünftig. Trotzdem: Angenommen Freundschaft besteht wie oben definiert vor allem aus Vertrauen und Sympathie. Dann kann ich doch trotz meiner „sozialen Dominanz“ und der Sicherstellung meiner eigenen Sicherheit mit meinem Pferd befreundet sein, oder?!

Machen wir den CAVALLO-Check:

Hier steht in einem ersten Beitrag zu dem Thema, dass Freiarbeit die Freundschaft fördert. Das würde ich unterstreichen, da es dem Menschen ermöglicht, mit dem Pferd auf Augenhöhe zu kommunizieren und Vertrauen schafft. Dennoch: ob es nun ein besonders Zeichen von Freundschaft ist, dass mein Pferd das auch alles ohne Strick macht – wie in der Cavallo beschrieben – lasse ich mal dahin gestellt. Vielleicht ist das dann auch einfach nur gute Dressur?

Der nächste Artikel spricht an, dass man als Reiter auch nicht nur Freundschaft im Kopf haben sollte. Entscheidend ist hier, dass man sich auch das entsprechende Wissen aneignet. Totally agree. Schönstes Zitat: „In den Sattel gehört mehr als nur Liebe.“ Und bester Tipp: dem Pferd zuhören.

In einem weiteren Text zu dem Thema wird erklärt, wie man auch beim Reiten Freunde bleibt. Für mich neu ist, dass Unsicherheiten unterm Reiter auch daher rühren können, dass das Pferd dem Reiter noch nicht so vertraut. Klingt logisch. Habe ich bis heute nicht so bewusst gesehen. Für mich waren das immer die ungenügenden Reiterhilfen. Der Punkt, dass man in allem klar kommunizieren soll, ist mir nicht neu. Aber auch hier lernt man aus meiner Sicht noch einmal sehr viel, wenn man mal absteigt und sich selbst reflektiert: Wie führe ich eigentlich mein Pferd? Wie putze ich es? Bin ich wirklich klar in dem was ich tue oder verwirre ich mein Pferd mit hektischen Bewegungen oder zu viel Gequatsche?

Der letzte Punkt aus der CAVALLO zu dem Thema sind Freundschaftsbeweise. Hier steige ich (teilweise) aus. Schmusen beispielweise ist sicherlich ein Beweis, dass das Pferd gerne mit dem Menschen zusammen ist. Es gibt aber auch durchaus Pferde, die nicht gerne schmusen oder vom Menschen gekrault werden. Trotzdem können sie aber den Menschen mögen und beispielsweise unter dem Reiter total sicher gehen. Auf der anderen Seite gibt es Pferde, die mit jedem schmusen und gerne auch von jedem, der sich anbietet, gekrault werden. Was bedeutet das dann? Die sind mit allen befreundet? Ich denke, …jein.

Das heißt jetzt?

Freundschaft zwischen Mensch und Pferd gibt es. Auf jeden Fall sollte der Mensch seinerseits alles dafür tun, dass ein freundschaftliches Verhältnis aufgebaut wird. Das heißt ein Umgang nach ethischen Grundsätzen auf der Basis von Vertrauen und Sympathie. Und das zählt unabhängig von dem, was ich von dem Pferd verlange.

Eure Caro

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