Neulich waren wir (mal wieder) in einem Reitstall. Eine Frau versuchte vergeblich, ihrem Pferd, das sich mal nach links, mal nach rechts wegdrehte, den Sattel aufzusetzen. Meine Tochter zupfte mich am Ärmel und flüsterte:

„Mama, die Frau hat eben ,Gaul’ gesagt. Was ist das?“

„Das ist ein anderes Wort für ,Pferd’. Aber kein nettes.“

„Aber warum sagt sie es dann zu ihrem Pferd?“

Berechtigte Frage. Ich habe immer tunlichst darauf geachtet, Ausdrücke wie Gaul, Zosse oder Mähre in der Nähe von Pferdefreunden zu vermeiden. Aber wenn eine Pferdebesitzerin in aller Öffentlichkeit ihr Pferd einen Gaul nennt, war meine Zurückhaltung dann vielleicht übertrieben?

Ich begebe mich auf die Suche. Laut Duden ist Gaul in der Tat abwertend und Mähre bezeichnet ein unbrauchbares Pferd. Zosse hingegen bedeutet eigentlich nur „altes Pferd“. Aber was weiß schon der Duden.

Idiot bleibt Idiot

Ich frage einige Reiterinnen, ob sie sauer wären, wenn ich ihr Pferd Gaul oder Zosse nennen würde. Von dem Gegenwind, der mir ins Gesicht blies, klingeln mir jetzt noch die Ohren. „Naja, wärst Du sauer, wenn ich zu Deinem Kind Kackbratze sage?“, antwortete eine. Treffer, versenkt. Aber vielleicht darf man ja als Reiter anders kommunizieren als wir Außenstehende und in bestimmten Situationen Gaul sagen? Zumindest zum eigenen Pferd. Immerhin hat die Frau im Stall es doch auch getan. „Niemals, NIEMALS würde ich dieses Wort oder etwas ähnliches in den Mund nehmen“, sagte mir eine Reiterin. „Das ist respektlos“, sagte eine andere. „Klar versteht das Pferd nicht, dass ,Gaul’ eine Beleidigung ist, aber es nimmt die Schwingungen auf, die damit verbunden sind – und die sind negativ. Du kannst Deinen Partner auch nicht liebevoll ,Idiot’ nennen. Idiot bleibt Idiot.“ Ist was dran. In jeder Hinsicht übrigens, aber das ist ein anderes Thema 😉

Eine einzige Gesprächspartnerin gibt zu, dass sie zumindest gelegentlich darüber nachdenkt, ihr Pferd Gaul oder Ochse zu nennen: „Ein Pferd spürt genau, wenn sein Reiter unentspannt ist oder einen schlechten Tag hat. Dann klappt nichts so richtig. Das sind dann Momente, in denen ich ihn Ochse nennen möchte. Aber eigentlich bin ich es ja selbst.“

Hätte Fury auch auf Muckelchen gehört?

Gut, Gaul, Mähre und Zosse sind nicht in Ordnung. Gibt es denn andere Alternativen zu „Pferd“, wenn man es nicht beim Namen nennen will oder kann? HUNDERTE. Von Mäuschen oder Dicker über Schnuffelchen und Süßi bis hin zu Frechdachs und Satansbraten nennen mir meine reitenden Gesprächspartnerinnen unzählige Kosenamen für ihre Pferde. Aber hören die auch darauf? Wäre Fury also seinerzeit auch angeprescht gekommen, wenn Joe stattdessen „MUUUUUUUCKELCHEN“ gerufen hätte? Mutmaßlich schon, zumal Fury Joeys Stimme erkannt hätte; Joey hätte es allerdings eine Weile mit Fury trainieren müssen (dafür hätten die beiden nur leider keine Zeit gehabt; schließlich mussten sie Waldbrände löschen oder verlorengegangene Kleinkinder wieder finden).

Der eigene Name ist einem Pferd also offenbar gar nicht so wichtig und kann variieren. Ist bei Kindern um die sechs Jahre übrigens auch so: Meine Großen nennen sich selten bei den Vornamen im Familienstammbuch. Meistens heißen sie Bibi und Tina, Wendy und Sina oder Rosetta und Silberhauch. Hier bin ich es, die Training braucht: „Mama, Du musst auch mal aufpassen. Heute bin ich nicht Bibi, sondern Tina.“

 

Welche Spitznamen habt Ihr für Eure Pferde?

 

 

0 Comments

Leave a reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

©2019 RideYourPony.de – Made with ❤ in Hanover – oleast™ consulting

Log in with your credentials

Forgot your details?