Vielseitigskeitstraining

Hallo liebe alle!

In dem Beitrag zum Thema „Pro Pferd“ will ich einmal mit Hilfe von eigenen Beispielen erzählen, wie der Reiter sich immer wieder selbst reflektieren sollte…auch wenn er schon dabei ist, Reitunterricht zu nehmen und eigentlich nur das beste für sein Pferdchen will. Das kann auch nach hinten losegehen.

Viel Spaß beim Lesen!

Die erste Reitstunde mit meinem Galopper war schon lustig. Mal wieder bin ich im Nachhinein selbst überrascht, wie verdammt blauäugig ich bei vielen Themen bin und einfach mache ohne nachzudenken. Auf jeden Fall würde ich mich dafür – also für diese erste Reitstunden – nicht wieder entscheiden. Der geneigte Leser denkt jetzt zu recht: Was kann man schon großartig falsch machen bei seiner ersten Reitstunde? Ist der Reitlehrer vielleicht nicht gut gewesen? Hat sie das Pferd direkt durch einen brennenden Feuerreifen springen lassen? WHAT HAPPENED?

Ich hole mal ein bisschen aus. Dorick ist also Ende November 2016 bei mir eingezogen. Die erste Zeit haben wir damit verbracht, uns aneinander zu gewöhnen und mal so ein bisschen vorzufühlen, was die Gegenseite so drauf hat (auf beiden Seiten nicht soooo viel). So begnügten wir uns damit, vorwärts-abwärts zu reiten, kleine Kreuze zu springen, auszureiten und ein wenig Bodenarbeit in der Halle zu machen. Ende des Jahres fand ich dann, ich bräuchte Unterstützung: Sitze ich richtig? Geht er richtig über den Rücken? Und dann war da das Problem mit dem Angaloppieren. Das konnte er am Anfang gar nicht. Komisch, dachte ich, er hat doch die letzten Jahre nichts anderes gemacht, als zu galoppieren? Auf jeden Fall hatten wir hier so unsere Probleme. Auf der anderen Seite war ich aber auch stolz, was wir in der kurzen Zeit alles schon gelernt hatten und wollte das ehrlich gesagt gerne mal jemandem zeigen, der Ahnung vom Reiten hat.

Für uns nur das Beste – Training bei einem PROFI

Ich fragte meine Stallnachbarin Dörte, ob sie jemanden kennt, der hier in der Gegend Unterricht gibt. Sie kannte niemanden und meinte auch direkt besorgt, dass ich mit meinem Blüter nicht zu irgendeinem 08/15-Trainer gehen könne: Sie schwärmte von Vielseitigkeitsreitern, die sie aus Gestütszeiten kannte. Die haben oft blütige Pferde und wissen besser, wie man mit denen umgehen muss. Wir suchten also nach einem Trainer, der nicht zu weit weg von uns wohnte. Der Plan war damals: Einfach nur mal einen Tag hin mit unseren Pferden und gucken was das bringt. Total angefixt von der Idee setzte ich mich sogleich an den Computer. Ich suchte und suchte und kontaktierte schließlich den Trainer (Kaderreiter, Olympiasieger) unserer Träume. Ich erfuhr, dass es die Möglichkeit gab, über den Hannoveraner Verband einen Lehrgang bei ihm zu besuchen. Natürlich sei es auch problemlos möglich, Einzelstunden zu nehmen. Aber so ein Wochenendlehrgang, dachte ich, ist vielleicht ungezwungener. Nach kurzer Rücksprache mit Dörte, die eher zurückhaltend reagierte, überredete ich sie und meldete uns beide samt unseren Pferden an.

„Alles gar kein Problem“

Der Plan stand: Ende Februar 2017 von Freitag bis Sonntag sollten wir nach Verden kommen: Wintertraining für Vielseitigkeitspferde. NATÜRLICH habe ich vorher da angerufen und genau erklärt, auf was für einer Anfängerstufe wir mit unseren Pferden stehen (recht weit unten…also ganz unten…sagen wir so: ganz am Anfang). Und dass der Lehrgang natürlich nur dazu dienen soll, ein wenig dazu zu lernen.

Ich: „Wir möchten die Pferde gern vielseitig ausbilden und darum gerne zu Ihnen kommen.“

Antwort: „Gar kein Problem. Gerne. Kommen Sie nur her!“

Kurz vor Abreise befand Dörte dann doch, dass es nicht das Richtige für sie sei und so fuhren Dorick und ich alleine. Was für eine kluge Frau Dörte doch ist…

Die nackte, ehrliche Realität

Am ersten Tag trafen sich alle Teilnehmer in der Halle. Nach einer kurzen Begrüßung bauten wir gemeinsam einen Parcours auf mit durchaus geländeähnlichen Sprüngen bzw. schmalen, kleinen Mauern und Schweineställen. Alles nicht hoch. Eigentlich. Kommt ja darauf an, wie man es reitet – technisch war das auf jeden Fall anspruchsvoller als ein Kreuz auf der Wiese. Zu diesem Zeitpunkt dachte ich noch: Das ist für die Fortgeschrittenen. Die Anfängergruppe reitet über Stangen. Denkste!!!! Sogleich kam die Ansage: Sonntag springt ihr alle den Parcours durch. Oha!

Wir wurden dann in Gruppen eingeteilt. Die Zeiteinteilung erlaubte es, dass ich mir die Gruppen, die vor uns an der Reihe waren, anschauen konnte. Vertieft in die Aufgaben der anderen, habe ich dann mein Pferd etwas zu spät fertig gemacht, sodass ich leider nicht genügend darauf eingehen konnte, dass der liebe Dorick vollkommen nervös war und es einfach eine absolute Scheißidee war, ihn direkt in die Halle mit dem Parcours zu führen, um dort aufzusteigen.  Ich hätte vorher draußen oder in einer kleineren Halle, die uns auch zur Verfügung stand, abreiten müssen. So kam ich mit Mühe aufs Pferd, weil er so tänzelte, und war schon, bevor es richtig los ging, schweißgebadet. Während der Stunde, erinnere ich mich, ist er alles gesprungen und hat auch die Gymnastik, die er da zum ersten Mal unter mir gemacht hat, ganz gut gemeistert. Sein Problem ist bis heute nicht, dass er an den Hindernissen vorbei läuft oder stehen bleibt. Sein Problem, oder viel mehr unsere  Schwierigkeit ist es, den Rhythmus zu halten. Natürlich fällt es ihm schwer, ruhig und gelassen zu galoppieren. Bislang wurde er über Geschwindigkeit reguliert: Je schneller desto besser. Jetzt kommt da jemand, der will eine Anlehnung von ihm und ruhigen, rhythmischen Galopp. Er ging schon so schön ruhig zu Hause. Ich war so stolz. Und dann holte mich die nackte, ehrliche Realität ein.

Face it: Der Reiter ist schuld. Immer!

Und jetzt denkt nicht, das Pferd ist schuld. Ich bin schuld. Ich bin genau so ein größenwahnsinniger, Penner-Reiter wie viele andere auch. In Wahrheit sieht es nämlich so aus:

  • Mein Sitz ist murks. Ich hänge mit dem Oberkörper viel zu weit vorne.
  • Ich habe mein Pferd noch nicht an den Hilfen. Dass heißt: Meine Beinhilfe, wenn ich sie denn damals überhaupt gegeben und nicht nur einfach auf dem Pferd gesessen habe, kam vorne im Maul nicht an.
  • Dadurch, dass ich nicht im Gleichgewicht sitze und die Hilfen nicht richtig einsetze, ziehe ich dem Pferd im Maul.
  • Ich klämme mit den Knien.
  • Ich schaffe es nicht, zwischen den Sprüngen ruhig zu sitzen. Ich gebe zu viel Druck mit den Beinen und/oder reiße die Hände hoch. Wunderbare Sache, wenn man sein Pferd so richtig beim Springen stören will.

Warum also tue ich meinem Pferd einen solchen Lehrgang an? Weil ich blind bin und denke, alles ist toll. Klar sind wir zu Hause die Besten – wenn wir alleine in der Halle sind. Ein Ort, an dem uns niemand sieht und beurteilt. Ein Ort, an dem es keinen sozialen Vergleich gibt, weil wir dort mit einigen Ausnahmen immer alleine sind. Glückwunsch zu dieser herausragenden Leistung, zu Hause das beste Paar zu sein, wenn es null Konkurrenz gibt. Was mich gerettet hat, ist der liebe, treue, tapfere Dori, der alles gesprungen ist und bis Sonntag ganz lieb mitgespielt hat, obwohl er einen absoluten Affen auf sich hängen hatte: Mich.

Mein Pferd ist ein Schatz

Fast ein wenig zu niedergeschlagen bin ich ich am letzten Tag nach Hause gefahren und habe viiiiiiiiel nachgedacht. Folgendes waren meine Erkenntnisse:

  • Mein Pferd ist ein Schatz und ein ganz lieber Hucken.
  • Ich muss an mir arbeiten, denn ICH bin das Problem. Mein Pferd ist ein Schatz!
  • Ich muss asap einen Reitlehrer suchen, denn mein Pferd ist ein Schatz und hat Besserung verdient.
  • Ich denke zukünftig vorher nach, bevor ich mich irgendwo anmeldete. Ende !

Seitdem ist etwas Zeit vergangen und ich habe folgendes verbessert:

  • Einmal die Woche haben wir nun Reitunterricht bei einem Reitlehrer, den ich noch von früher kannte und ausfindig gemacht habe.
  • Die Hilfen kommen viel besser bei Dorick an mit dem Erfolg, dass ich weniger im Maul hänge.
  • Wir besuchen ab und an Geländetrainings und Dorick macht es riesigen Spaß. Da braucht man nämlich nicht ganz so auf die Galoppsprünge zu achten. So lernt er das ganz spielerisch.
  • Ich denke mehr nach, bevor ich mich irgendwo anmelde.

Meine nächste erste Reitstunde buche ich beim Trainer um die Ecke

Zu meiner Verteidigung sei am Ende noch gesagt: Ich habe bei Anmeldung ganz deutlich gemacht, dass wir ANFÄNGER sind und so gut wie nichts können. Zumindest habe ich mich nicht angemeldet mit den Worten: Hier kommt die neue Olympiahoffnung. Fazit ist: Meine nächste erste Reitstunde buche ich nicht im Rahmen eines Lehrgangsangebots vom Hannoveraner Verband mit einem Kaderreiter. Man tut sich und dem Trainer (und dem Pferd) einfach keinen Gefallen, wenn man da als Anfänger aufläuft. Für den Start tut es auch eine Stunde beim Trainer des nächsten Reitvereins. Das sind nicht alles Scharlatane, sondern in der Regel Leute, die sich sehr wohl auskennen und einen dann behutsam auf so einen Lehrgang vorbereiten können.

Amen!

Caro

0 Comments

Leave a reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

©2019 RideYourPony.de – Made with ❤ in Hanover – oleast™ consulting

Log in with your credentials

Forgot your details?