Kind Ponyreiten Pony

Neulich hat meine Große erneut an einem Pony-Tag für Kinder teilgenommen: Drei Stunden lang haben rund zehn Kinder drei Pferde geputzt, betüddelt und geritten. Die kleinen Nachwuchsreiter haben sich gegenseitig geführt, auf den Pferden sitzend Dosenwerfen gespielt und – hatte ich es schon erwähnt? – die Pferde betüddelt. Begleitet wurde das Ganze von drei Betreuerinnen. Als ich meine Tochter nach drei Stunden wieder abholte, sah ich zehn glückliche Kindergesichter – und zwei dreckige Ponys, die sich gerade zur Freude der Kinder in der Reithallte wälzten.

Corinna Kraus von der Reitschule „Unter den Eichen“ veranstaltet diese Pony-Tage seit einigen Jahren. Sie selbst reitet seit 30 Jahren und unterrichtet Anfänger wie Fortgeschrittene. Da nun auch meine Tochter Nummer zwei mit ihren just vier Jahren Reitambitionen zeigt, wollte ich von ihr wissen, ob Reiten in ihrem Alter schon Sinn macht – und konnte in diesem Zuge auch gleich meine weiteren brennendsten Fragen zum Thema „Reitunterricht“ stellen 😉

Stine: Ab welchem Alter macht Reitunterreicht Sinn?
Corinna: Vier Jahre ist meiner Meinung nach ein gutes Alter zum Anfangen! Die FN empfiehlt dies auf ihren Seiten übrigens ebenfalls. In dem Alter können die Kleinen schon – altersentsprechend formulierte – Anweisungen und Korrekturen verstehen, etwa wie man auf dem Pony sitzt. Sie können nachvollziehen, dass Tiere gewisse Bedürfnisse haben, und sie begreifen den Sinn von Verboten (die Klassiker: „Steh nicht so dicht hinter dem Pony!“ Oder auch: „Bitte nicht Füttern!“). Und besonders wichtig: Da sie zumeist dann schon im Kindergarten sind, sind sie die Trennung von den Eltern gewöhnt. Denn ohne Eltern im Hintergrund lassen sich die Kinder weniger ablenken und können sich ganz auf die Ponys und die Lernsituation konzentrieren.

Welche Art von Unterricht empfiehlst Du für kleine Anfänger?
Wir fahren da gerne „zweigleisig“: Zum einen setzen wir Einzelunterricht an der Longe und kleine, geführte Ausritte ein. Parallel dazu bieten wir Pony-Tage an, da hier die Möglichkeit zum Kontakt und Austausch mit anderen Kindern besteht. Der Einzelunterricht an der Longe ermöglicht es uns, individuell auf die Kinder einzugehen, da jedes andere Voraussetzungen mitbringt: Das eine Kind ist etwas schüchterner im Umgang mit den Tieren und braucht mehr Zeit und Unterstützung. Das andere ist motorisch vielleicht noch nicht ganz so weit und braucht länger, um sich auf dem Pony auszubalancieren und hier eine gewisse Grundsicherheit zu erlangen.
Damit aber die kleinen Reiter keine „Einzelkämpfer“ werden – denn für uns ist Reiten keine Einzelsportart – gibt es die Pony-Tage: Hier werden in der Gruppe auf dem Pferd sitzend Übungen, wie Dosenwerfen, Eierlaufen oder Ringe werfen durchgeführt. Die spielerische Herangehensweise an das Reiten steht im Vordergrund. Durch die Geschicklichkeitsübungen lernen die Kinder einfach und schnell Sicherheit und Balance auf dem Pferd oder Pony – ohne es zu merken.

Woran erkenne ich als Reitsport-Laie und Mutter guten, kindgerechten Reitunterricht?
Wichtige Kriterien sind hier:
– kleine Gruppen
– kein stumpfes „Hintereinander-her-Gereite“
– Interesse an jedem Reitschüler (Fragen nach gesundheitlichen Problemen oder was sonst beachtet werden sollte, sollten selbstverständlich sein)
– auch wichtig: ein guter Futter- und Pflegezustand der Pferde, beispielsweise keine weißen Stellen auf dem Rücken der Pferde…
– jedes Pferd hat sein eigenes Putzzeug, einen eigenen Sattel sowie eine Trense (und zwar möglichst heile und nicht eingerissen oder ausgefranst)

Und was darf guter Reitunterricht kosten? Ist Reiten wirklich teurer als viele andere Sportarten oder ist das nur ein Vorurteil?
Reiten ist nicht wie Handball oder Fußball. Während hierfür meist ein Ball o.ä. ausreicht, der günstig in der Anschaffung ist und keine weiteren Kosten verursacht, ist beim Reiten ein Lebewesen mit Bedürfnissen im Spiel, das fixe Kosten im Monat mit sich bringt. Ein Pferd kostet im Monat – je nach Stall – etwa 300 bis 500 Euro. Die Box, der Schmied, Impfungen, Futter, Sattler, Reit-Equipment – das alles kostet regelmäßig Geld, wenn man Wert auf Qualität legt. Von den Anschaffungskosten für das Pferd mal ganz abgesehen.
Realistisch sind daher für den Anfänger-Unterricht bis zu 25 € pro Stunde. Zumal hier ja auch eine intensivere Betreuung durch den Reitlehrer ums Reiten herum einkalkuliert werden muss: Einsteiger brauchen meist länger Hilfe beim Putzen und Satteln oder Absatteln.

Was sollten Kinder neben dem reinen Reitunterricht lernen?
Eine Grundvoraussetzung sollte sein, dass die angehenden Reiter – egal welchen Alters – Verständnis für das spezielle Wesen der Pferde entwickeln. Beispielsweise: Auch Pferde können nicht jeden Tag gleich gut drauf sein. Außerdem sollte klar sein, dass sie spezielle Bedürfnisse haben, und warum sie wie reagieren: Sie sind Herden- und Fluchttiere.
Und natürlich achten wir auf Höflichkeit im Umgang miteinander – im Stall, aber auch bei Ausreiten, wenn man anderen Leuten begegnet. Grüßen, Bitte und Danke sagen kommt nie aus der Mode! Auch Rücksichtnahme auf Schwächere, dazu zählen auch Fußgänger, denen man bei einem Ausritt begegnet, gehört einfach dazu.

Passiert es oft, dass Kinder mit falschen Vorstellungen zu Euch kommen und sich wundern, dass sie nicht alle so sind, wie Filly Pferde?
Nein. Interessanterweise ist es eigentlich eher umgekehrt. Die Kinder haben oft große Ängste, dass die Pferde sie beißen oder treten könnten. Sie brauchen in der Regel eine Weile, um ihre Scheu ihnen gegenüber zu verlieren. Hier spielt wohl einerseits das Größenverhältnis mit rein (auch ein Shetlandpony ist größer als ein großer Hund), andererseits liegt dies sicher auch daran, dass die Eltern sie vor den „gefährlichen und großen Tieren“ warnen. Manche Kinder stellen allerdings überrascht (manche sogar regelrecht entsetzt) fest, dass richtige Pferde manchmal schmutzig sind, sabbern – und dass man sich um ihre Pferdeäpfel kümmern muss.

Liebe Corinna, vielen Dank!

Mein Fazit
Meine Mittlere darf demnächst erst einmal auch an einem Pony-Tag teilnehmen – aber einem, der auf die jüngsten Reiteinsteiger zugeschnitten ist und daher nur anderthalb statt drei Stunden dauert. Denn: „Drei Stunden ist für Vierjährige  eine lange Zeit; sie müssen sich ja auch so lange konzentrieren können“, erklärt Corinna. Tja, und wenn meiner Tochter das dann gefällt, schauen wir mal weiter… Dabei muss ich selbst grinsen: Vielleicht habe ich als Nicht-Reiterin, die Pferden 37 Jahre lang aus dem Weg gegangen ist, bald zwei reitende Töchter 😉 Verrückte Welt. Aber wie ich schon einmal schrieb: Das schöne daran, Kinder zu haben, ist ja, dass sie einen dazu bringen, über den Tellerrand zu schauen.

Eure Stine

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