Baby Pony

Hallo zusammen!

Auch ein Neuling kann für unsere Katagoeri „Pro Pferd“ schreiben. In diesem Beitrag telt Stine ihre Erfahrungen mit Pferdekommunikation.

Viel Spaß beim Lesen!

Neulich musste ich mich bei einem Besuch in einem Pferdestall mächtig zusammenreißen. Da war eine Reiterin (ggf. auch Pferdebesitzerin) mittleren Alters und ein Pferd. Groß, braun, kräftig (also das Pferd). Ich bekomme es nicht mehr ganz zusammen, aber der Monolog der Zweibeinerin lautete ungefähr folgendermaßen:

„Na, Süßer, wie geht’s dir denn heute, hm? Gut geschlafen? Hast Du mich vermisst? Ich Dich auch. Süüüüßer, was hast Du denn wieder gemacht, Du bist ja ganz dreckig. Soll ich Dich mal putzen, Süßer, hm? Dann halt man still. Du sollst bitte stillhalten, Süßer! SÜSSER! Sei nicht so zickig. Nun lass mich doch mal, Du sollst… SÜSSER! Was muss ich tun, damit Du nicht so rumzap… Ach, Mensch, was soll denn das?! SÜSSER!!!“

So ging das noch eine Weile weiter. Die Gute hat dermaßen auf dieses arme Pferd eingequatscht – an seiner Stelle hätte ich auch nicht kooperiert. Nennt mich engstirnig, aber ich finde es komisch, wenn Menschen immerzu mit Tieren reden, als wären sie Artgenossen. Genauso komisch finde ich es übrigens auch, wenn Eltern mit ihren ein- oder zweijährigen Kindern sprechen, als wären sie volljährig. Auch solche Gespräche habe ich schon beobachtet und möchte der Mama, die die dreijährige Genoveva-Madeleine-Angelique mit einem 15-minüten Vortrag darum bittet, JETZT von der Schaukel zu klettern und mit nach Hause zu kommen, gerne zurufen: „Ihre Tochter hört schon seit 14 Minuten nicht mehr zu!“ 🙂 Versteht mich nicht falsch: Wenn wir Dorick und Fleur besuchen, die Pferde von Caro und Dörte, frage ich die beiden auch, wie es ihnen geht und wenn ich mit meiner einjährigen Tochter alleine bin, rede ich auch viel mit ihr, obwohl sie mich dabei meistens anschaut, als käme ich von einem anderen Stern 🙂 Das ist auch sicherlich normal – (viele) Menschen quatschen halt einfach gerne. Aber ich denke: Wenn man wirklich etwas von einem Tier oder Kind will, muss die Kommunikation irgendwie… angemessener sein. Oder?

Ist die Vermenschlichung falsch?

Zum Thema Kommunikation mit Kindern gibt es sicherlich ebenso viele Bücher wie zur Kommunikation mit Pferden. Gelesen habe ich keines davon, neulich aber mal bei Caro die August-Ausgabe der St. Georg durchgeblättert. Darin fand ich einen Bericht über eine Studie zum Thema „Tierwohl“. 1.000 Reiter und Pferdebesitzer beantworteten diverse Fragen zur Haltung und zum Training von Pferden. Ein Fazit lautete: Mehr als ein Drittel der Befragten findet die Vermenschlichung von Pferden falsch – dazu zähle auch, dass die Besitzer die Tiere nicht verstehen und entsprechend falsch mit ihnen kommunizieren.

Einer, der weiß, wie Mensch mit Pferd richtig kommuniziert, ist Manfred Weindl. Der ehemalige Polizist arbeitet heute bundesweit als „Pferdeflüsterer“ und sagt: „Eine partnerschaftliche Beziehung zwischen Mensch und Pferd kommt nur durch Kommunikation zustande. Ich erlebe jedoch täglich, wie Menschen ohne Unterlass auf ihr Pferd einreden. Sie bemerken dabei nicht, dass sich ihr Pferd gedanklich und mit seiner Aufmerksamkeit längst von ihnen entfernt hat. In ihrer Konzentration auf das von ihnen Gesprochene bekommen sie auch nicht mit, wenn das Pferd mit ihnen in Kommunikation treten möchte.“

Pony Kind

Pferde dürfen gestreichelt werden

Ständiges Einreden auf das Pferd ist nicht Kommunikation, sondern der Monolog eines Menschen“

Wie aber sollten wir dann mit Pferden kommunizieren? Meine Tochter beispielsweise liebt es, mit Ponys zu reden und hat erst jüngst gelernt, dass Pferde diese Form der Zuneigung genauso schätzen, wie gestreichelt zu werden: „Ich glaube schon, dass das Pferd mir zuhört und mich auch ein bisschen versteht“, antwortete sie mir auf die Frage, warum sie mit ihrem Reitpony spricht. „Ich darf halt nicht zu viel reden, sonst kommt es nicht mehr hinterher. Das muss ja im Kopf erstmal alles übersetzen von Menschen- auf Pferdesprache. Wenn ich deshalb etwas wirklich Wichtiges von dem Pferd will, muss ich ihm das zeigen, zum Beispiel mit meinen Beinen, wenn ich drauf sitze. Ich kann ja nicht die ganze Zeit reden und reiten und das Pferd kann ja nicht die ganze Zeit laufen und zuhören.“ Aha. Soviel also von der kleinen Pferdeflüsterin, was sagt der große „Pferdeflüsterer“ dazu? „Ich versuche mit dem Pferd auf möglichst feine Art, mit minimaler Körpersprache, mittels Gesten in Kontakt zu treten und zu kommunizieren“, erklärt Manfred Weindl. Er betont: „Ständiges Einreden auf das Pferd ist nicht Kommunikation, sondern der Monolog eines Menschen, der sein Pferd nicht zu Wort kommen lässt. Wie würden Sie sich fühlen, wenn Sie während eines Treffens mit einem Bekannten kein Wort sagen könnten, weil dieser ständig redet und Sie für ihn eigentlich Luft sind? Irgendwann werden Sie dem Monolog nicht mehr folgen und sich in Ihre eigene Gedankenwelt zurückziehen. Sollten Sie dann doch einmal angesprochen werden, verpassen Sie ganz sicher Ihren Einsatz. Genauso geht es Ihrem Pferd!“

Der Mensch muss das Pferd verstehen – nicht anders herum

Wichtiger ist aus Manfred Weindls Sicht aber ohnehin, dass die Menschen die Sprache der Pferde lernen und nicht anders herum: „Voraussetzung dafür ist die Fähigkeit, das Verhalten und die Körpersprache von Pferden zu verstehen. Daher sind eine gute Beobachtungsgabe und Einfühlungsvermögen Grundvoraussetzungen.“ Beides lernt meine Tochter übrigens auch beim Reitunterricht, der seit drei Wochen läuft und dem sie jedes Mal entgegenfiebert wie Heiligabend. Auch bei den Pony-Tagen wurde den Kindern beigebracht, auf die Pferde „zu hören“. Tatsächlich gibt es sogar schon Horsemanship-Kurse für Kinder, bei denen der Reitnachwuchs „pferdisch“ lernt sowie Bücher, die kindgerecht erläutern, wie Pferde sich verhalten, wie die Kinder sie verstehen und mit ihnen kommunizieren können.

Was sagen Pferde denn so?

Aber mal als Laie gefragt: Was sagen Pferde denn so? „Sie können natürlich nicht sprechen, Mama, nur wiehern und schnauben“, rollt meine Tochter mit den Augen. „Sie zeigen uns, was sie wollen. Ich verstehe aber auch noch nicht alles so ganz genau.“ Manfred Weindl schon. „Pferde senden eine ganze Reihe feinster Signale“, sagt er. „Wenn wir Menschen sie aber nicht wahrnehmen, handelt das Pferd instinktiv und versucht, zu fliehen. Ist dies nicht möglich, weil es vielleicht angebunden ist, wird es auch mit Aggression antworten. Seid euren Pferden nicht böse, wenn es zu solchen Situationen kommt. Ein Pferd macht nämlich aus seiner Sicht immer alles richtig. Arbeitet lieber an der Kommunikation zwischen euch und eurem Pferd.“

Das Fazit lautet also: Beobachten statt quatschen, antizipieren statt dozieren. Auf den Punkt bringt es wohl eines der Lieblingszitate von Manfred Weindl:

Ein guter Pferdemensch versteht sein Pferd, wenn es mit ihm redet.
Ein hervorragender Pferdemensch hört es sogar flüstern.
Aber ein schlechter Pferdemensch versteht es nicht mal, wenn es ihn anschreit!

Alles klar?!

Eure Stine

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