Ride Your Pony

Hallo ihr Lieben!

Seit ich dabei bin meine Trainerlizenz zu erwerben, fragen mich lustigerweise besonders die Nicht-Reiter viel über die Inhalte und das ganze Drumherum, das der Erwerb einer Trainerlizenz mit sich bringt. Da wäre neben den zehn Prüfungen, die ich während des Seminars ablegen muss, noch

  • das Einholen eines Polizeilichen Führungszeugnisses,
  • die Teilnahme an einem 1- Hilfe Kurs,
  • der Erwerb des Longierabzeichens,
  • der Besuch eines Vorbereitungsseminars und
  • in meinem Fall noch das Nachholen des Reiterpasses.

Damals, als ich meine Reitabzeichen erworben habe, brauchte man den Reiterpass noch nicht. Dank des Trainerscheins, wird mir nun auch mein Alter wieder bewusst: 33 Jahre. Die Zeit der Reitabzeichenlehrgänge und Urlaube auf dem Ponyhof liegen lange zurück. Ach jaaaaa … 😉 Wie auch immer, was man damals nicht absolviert hat, muss man nun heute nachholen. Und Spaß macht es noch genauso. Besonders, wenn die Truppe gut drauf ist und die Schulpferde mich herausfordern.

Es ist noch nicht lange her, da sitze ich mit Kollegen abends zusammen und berichte von meinen Trainerfortschritten. Da wird mir die Frage gestellt, was man eigentlich tun muss, um so ein Pferd zu lenken, vorwärts zu schicken und dann wieder anzuhalten. Ja, nun, wie antwortet man darauf? Gar nicht so einfach, schließlich kann man eine Bibliothek mit Büchern und Lehrfilmen füllen, die versuchen, genau das zu erklären.

Wo soll ich anfangen? Mit dem Sitz des Reiters

In Vechta habe ich gelernt, dass der Sitz des Reiters ebenso einer Ausbildungsskala unterliegt, wie die Ausbildungsskala bei einem Reitpferd. In den Richtlinien für Reiten und Fahren Band 1 gibt es dafür eine Abbildung mit dem Titel „Ausbildungsweg des Reiters“. Der Ausbildungsweg beginnt mit dem Gleichgewicht, gefolgt von der Losgelassenheit über das Eingehen in die Bewegung und die Hilfengebung bis hin zum Zusammenwirken der Hilfen. In der Runde mit den Arbeitskollegen versuche ich nun irgendwie zu erklären, was das bedeutet. Beispielsweise versuche ich klarzumachen, dass, wenn man richtig reiten lernen will, man mit Sitzübungen an der Longe beginnen sollte. Selbstverständlich kann man auch im Urlaub am Strand auf Pferden sitzen und sich fortbewegen. Das hat aber nicht so viel mit reiten zu tun. Also, richtig reiten bzw. ein Pferd lenken und die Gangart bestimmen können, ist etwas Anderes. Darum meine Empfehlung besonders für Menschen, die im Alter mit dem Reiten beginnen: Longenstunden. Als Kind, da bin ich nun mal ganz ehrlich, bin ich die ersten Jahre auf Isis ohne Sattel geritten. Dabei kommt man prima ins Gleichgewicht und spart sich die ein oder andere Longenstunde, obwohl es die auch für mich als sechsjährige durchaus gab. In den Richtlinien für Reiten wird darüber hinaus empfohlen, auch Sitzübungen auf Holzpferden durchzuführen.

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Sitzübungen auf  Playmobilpferden

Hierbei kann der Reiter prima lernen, wie das mit den Steigbügeln, dem Sattelgurt und dem Halten der Zügel funktioniert. In diesem Moment freue ich mich, dass ich Stines Kinder mit alten Sätteln für ihre Holzpferde, Fina (je nach Tagesform der Besitzerin heißt sie auch Johanna) und Talea, ausgestattet habe. Die beiden üben auch fleißig. Außerdem soll es helfen, wenn man sich am Boden auf wacklige Gegenstände stellt, um dabei sein Gleichgewicht zu trainieren. Ich für meinen Teil mache total gerne Stand-Up-Paddling. Das trainiert auch gut. Mein Lieblingszitat aus dem Buch: „Ein losgelassener Reiter findet leicht das Gleichgewicht; einem ausbalancierten Reiter wiederum fällt es deutlich leichter, sich loszulassen“. Ah ja! Diesen Satz kann ich 100x lesen und dennoch verliert er nie die Wirkung.

Was muss man denn nun tun, wenn man ein Pferd reiten will?

Kommen wir noch einmal zurück zum Ausbildungsweg und der Ursprungsfrage. Wir fassen zusammen, dass Gleichgewicht und Losgelassenheit eine wichtige Grundlage sind. Darauf folgt das Eingehen in die Bewegung in allen Grundgangarten, was man eigentlich ganz gut erfühlen kann, wenn man mal bewusst zwischen einem leichten Sitz, dem Aussitzen und beispielsweise dem Leichttraben wechselt. Nun zum nächsten Punkt: die Hilfengebung! Wie lenke ich das Pferd, treibe es vorwärts oder halte es an? Ein Merksatz dazu aus Vechta: Nur aus dem guten Grundsitz heraus, lassen sich gute Hilfen geben. Unter Hilfen versteht man die Gewichts-, Schenkel- und Zügelhilfe in genau dieser Reihenfolge, wenn es um die Priorität der Hilfengebung geht. Zügelhilfe immer erst zum Schluss. Klar, den Fehler mache ich auch. Zum Beispiel, wenn ich vom Trab in den Schritt durchparieren will, bin ich oft geneigt, einfach nur die Zügel anzunehmen. Dorick ist Gott sei Dank so lieb, dass er meistens weiß, was ich will. Dennoch ist es grundsätzlich falsch und wird von meinem Reitlehrer auch harsch kritisiert. In eine parierende Hilfe, also von Trab zu Schritt, treibt man das Pferd mehr hinein, als in den Wechsel in eine höhere Gangart (bspw. von Schritt zu Trab). Das muss man aber erst einmal kapieren. Ich will das Pferd anhalten, soll aber genau dabei ganz besonders treiben. Das leuchtet ja auch nicht gleich auf Anhieb ein. Außerdem gilt bei der Hilfengebung auch noch der Grundsatz: So viel wie nötig und so wenig wie möglich. Auch das versuche ich meinen Kollegen anschaulich zu erklären, in dem ich auf die Profis aus dem TV verweise. Hier gehe ich einfach davon aus, dass jeder Mensch schon einmal fünf Minuten Reitsport auf hohem Niveau im Fernsehen verfolgt hat. Demnach auch meine Kollegen. Und verweise nun auf die Dressurreiter, denen man ja oft die Hilfen nicht ansieht. Auch im Springsport finde ich, hat sich der Sitz der Reiter deutlich verbessert. In der Regel sitzen die Profis still dran und man sieht kaum noch Gezerre und Gezurre. Die Kollegen nicken andächtig. Mein Vortrag neigt sich dem Ende.

Ist reiten denn überhaupt Sport … also körperlich anstrengend?

Natürlich wird am Ende des Gesprächs über Reitsport die Frage gestellt, ob reiten denn eigentlich den Zusatz „Sport“ verdient hat. Also, ist reiten Sport? Aus meiner Sicht auf jeden Fall. Man muss auf dem Pferd in der Lage sein, jeden Muskel kontrollieren zu können, das heißt der Wechsel zwischen Entspannung und Anspannung muss ganz mühelos funktionieren. Für alle Nichtreiter, die jetzt kichern: Setzt euch mal im Galopp auf ein Pferd, versucht dabei ganz entspannt zu sitzen, die Hände ruhig zu halten und nicht am Zügel zu hängen. Die Beine sollen ruhig am Pferd liegen und locker nach unten federn und nun bestimmt ihr noch dazu das Tempo innerhalb des Galopps und wo ihr langreiten wollt und dann erklärt mir noch mal, wie einfach das ist und dass es kein Sport ist. Gerade die Entspannung hinzubekommen, dass man nicht klemmt und am Zügel hängt, ist schwierig. Wie gut man das kann, hängt laut den Richtlinien auch von den konditionellen Fähigkeiten des Reiters ab. Bin ich schnell aus der Puste, kann ich meine Muskeln auch nicht mehr kontrollieren. Beispielsweise reite ich in Vechta Schulpferde, die mit Dorick körperlich und ausbildungstechnisch nicht zu vergleichen sind. Das heißt, sie können mehr, sind kräftig und aus meiner Sicht gut bemuskelt, sind aber auch durch die wechselnden Reitschüler nicht so locker-leicht zu reiten. Dorick ist ziemlich leichtrittig im Verhältnis, was nicht bedeutet, dass er die gleichen Lektionen kann. Man muss sich halt nicht so mühen. Nun ja, auf den Schulpferden muss ich also auch mal zur Abwechslung richtig arbeiten. Was mir gut tut aber auch dazu führt, dass so eine Stunde für mich schweißtreibender Sport ist. Im Idealfall würde ich auf denen genau so locker-leicht reiten wie auf meinem eigenen Pferd. Und ich bin mir sicher, das könnte man auch, denn von der Idee wissen die Schulpferde ganz genau, was ich will. Ich kann es nur nicht so umsetzen. Dorick kenne ich nun fast ein Jahr. Wir haben uns eingeschaukelt, wie man so schön sagt. Die Schulpferde lerne ich erst kennen. Und ich bin nicht so viel Profi, dass ich sofort die Knöpfe finde, die ich drücken muss, damit es locker-leicht geht. Folglich „kämpfe“ ich mich ab und muss Kraft aufwenden, um im Gleichgewicht zu bleiben, weil die sich natürlich auch anders bewegen als Dorick.

Alles gar nicht so einfach, müssen meine Kollegen feststellen. Dennoch die tollste Freizeitbeschäftigung für mich und ein faszinierender Sport, besonders in den hohen Klassen. Wenn das hier ein Nichtreiter liest: nur zu. Bucht einmal eine Longenstunde. Ihr werdet sehen, das macht Spaß und fordert auch den Sportlichsten unter euch in jeder Hinsicht!

Viel Spaß wünsch Euch

Caro

 

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