Kind Pferd

Hallo in die Runde!

Neulich wurde sie auch bei uns zuhause gestellt, die Frage der Fragen von reitenden Mädchen: „Wann bekomme ich ein eigenes Pony?“ Tja, welches ist denn das richtige Alter für ein eigenes Pferd? Sechs Jahre (und maximal 20 Reitstunden) sind definitiv nicht ausreichend für so viel Verantwortung, da stimmte mir meine Tochter zu. Trotzdem wollte sie wissen, wann es denn soweit wäre, auf welchen Zeitpunkt sie also hinarbeiten müsste. Also habe ich ihr versprochen, mich mal umzuhören, wie andere Mütter mit dieser Frage umgegangen sind. Eine davon ist Nina, 39 Jahre alt und Besitzerin von vier Ponys, die bei ihr zu Hause in einem Offenstall stehen.

Die eigene Pferde-Erfahrung
Nina blickt auf eine lange Reitkarriere zurück: Mit fünf Jahren begann sie zu voltigieren, mit sieben zu reiten. „Der Reitunterricht war noch von der alten Schule: Stock im Rücken, viele laute Anweisungen und ein selten gutgelauntes Pferd, weil es entweder gerade aus der Box kam (nach 23 Stunden darin), oder gerade den sechsten Reiter des Tages tragen musste.“ Nina bekam mit zwölf Jahren ihr erstes eigenes Pferd. „Eine Riesin von 1,75 m und bis M platziert im Springen. Meine Eltern meinten, wenn ich schon reiten will, dann auch richtig. Dabei war mein Traum eher ein nettes, kleines Pony.“ Fünf Jahre später verkaufte Nina ihr Pferd wieder: „Ich war mit ihr über-, sie mit mir unterfordert. Es passte einfach nicht.“ Drei Jahre später kaufte sie ihr erstes eigenes Pony namens Highländer. „Mit ihm habe ich alles gemacht, was ich früher machen wollte: Ausreiten, Spaßturniere, Orientierungsritte, Jagten, Spazierengehen…“ Als der Wallach älter wurde, kaufte Nina ein Fohlen und bildete es selbst aus. Beide stehen noch heute bei ihr: Ihr 27-jähriger Highländer, ihr selbst ausgebildeter, heute siebenjähriger Sunny sowie Socke (neun Jahre) und die elfjährige Lilly, das Reitpony von Ninas 14-jähriger Tochter Marie, die seit ihrem sechsten Lebensjahr reitet und laut ihrer Mutter „unerschrocken auf jeden Pferderücken steigt“.

Die Generalprobe
Zwar ist Lilly das erste Pony, das Marie selbst besitzt. Welche Verantwortung ein eigenes Pferd jedoch bedeutet, konnte sie schon ab ihrem zehnten Lebensjahr mit Luna lernen, einem Leih-Pony einer befreundeten Reiterin, das übergangsweise bei Nina auf dem Hof lebte. Auf Luna bekam Marie Reitunterricht und kümmerte sich täglich sie. „Damit meine ich weniger Stallausmisten oder Sattelpflege, sondern eher, dass sie für Luna da war, mit ihr spazieren ging, träumte, Bodenarbeit machte. Irgendwann konnte sie ohne Sattel und Trense mit Luna springen und nur mit Halfter ausreiten – Dinge, die ich bis heute nicht kann“, sagt Nina. Mit etwa 14 Jahren war Marie dann zu groß für Luna. „Da stand für mich fest, dass sie ein größeres Pferd braucht. Zumal sie nun alt genug war, um mehr Aufgaben zu übernehmen. Also führte ich ein ernstes Gespräch mit ihr und machte ihr klar, was ich erwartete. Wir handelten einen Deal aus: Meine Tochter würde sich zwei Tage die Woche komplett alleine um alle Ponys kümmern – also ausmisten, füttern, auf die Weide bringen. An mindestens zwei bis drei Tagen würde sie dressurmäßig mit ihrem Pferd arbeiten und sich eigenständig um die Pflege des Zubehörs kümmern.“ Außerdem stand fest: Bezahlen würde Nina das Pony, Extra-Wünsche wie eine bestimmte Satteldecke mit passenden Gamaschen oder Stirnriemen würde Marie selbst finanzieren.

Marie und Luna

Marie und Luna

Der Kauf und das Fazit
Die Suche nach einem Pferd war spannend und langwierig: „Bei manchen hatten wir ein gutes Gefühl, bei manchen waren wir uns nicht einig und einige entsprachen nicht dem, was wir gesucht haben.“ Bei Lilly war es Liebe auf den ersten Blick. Trotzdem wägten Nina und ihre Tochter das Für und Wider ab: Zwar hatten Lilly und das Mädchen gleich einen Draht zueinander, die Ausbildung des Ponys würde allerdings noch viel Arbeit erfordern. „Schließlich sagten wir den Kauf zu – eine Entscheidung, die wir nie bereut haben. Der Umgang mit Lilly tut Marie gut, sie ist selbst- und pflichtbewusster geworden“, erzählt Nina.

Marie und Lilly

Marie und Lilly

Rückblickend war vierzehn Jahre für Ninas Tochter eine gutes Alter, um ein eigenes Pferd zu besitzen. Verallgemeinern möchte sie dies jedoch nicht: „Da unsere Ponys am Haus stehen, kannte Marie die alltägliche Arbeit mit den Tieren und wusste, dass ihnen Sonn- oder Feiertage egal sind. Durch Luna hat sie dies mit zehn Jahren noch einmal intensiver gelernt.“ Pferdeverstand und Verantwortungsbewusstsein sind aus Ninas Sicht entscheidender, als das Alter eines Kindes: „Das Kind muss verstehen, dass ein Pferd nicht 23 Stunden in der Box stehen und auch abseits des Reitens beschäftigt und umsorgt werden möchte. Das kostet Zeit, die neben Schule und anderen Hobbys da sein muss.“ Außerdem bleiben Kinder Kinder und brauchen die Unterstützung ihrer Eltern: „Wenn ich nicht selbst dahinterstehen würde und wir keinen Platz für ein Pferd hätten, hätte mein Kind kein eigenes Pony.“

Unsere Generalprobe wird ein Kaninchen
Tja, was habe ich nun also meiner Tochter auf ihre Frage, wann sie ein eigenes Pony bekommt, geantwortet? Dass sie mit zehn Jahren erst einmal ein Kaninchen bekommt (bzw. zwei, die sollen ja nicht alleine sein) und wenn ich sehe, dass sie sich darum eigenständig und gewissenhaft kümmert, können wir weitersehen. Diese Absprache ist für sie in Ordnung, denn sie weiß von Besuchen bei Caro und aus ihren zahlreichen Pferdebüchern, wieviel Arbeit ein Pferd bedeutet – und hat angemessen großen Respekt davor.

Also: Vielen Dank an alle Kinder-Pferdebücher-Verfasser, die nicht den Eindruck erwecken, als bestünde der Besitz eines Pferdes ausschließlich darin, gemeinsam in den Sonnenuntergang zu galoppieren…

Bis baaaaaald!

Stine

 

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