Hallo ins Reiterstübchen!

Spruch des Jahres: Das Glück dieser Erde…liegt auf dem Rücken der Pferde. Nachdem ich nun mit soooo vielen Reitern gesprochen habe, die diesen Sinnspruch allesamt bestätigt haben, wollte ich es selbst einmal ausprobieren, das Reiten. Wie es lief, erfahrt ihr nun 🙂

Caro und ich haben uns ideal vorbereitet. Seit einem Jahr kenne ich Dorick und therapiere mit ihm quasi die von mir jahrelang gepflegte, ausgeprägte Skepsis gegenüber Pferden. Angst habe ich keine mehr, Respekt aber schon, denn: Ich habe zwar mittlerweile Routine im Leckerlis-Verteilen, aber nach wie vor keine Ahnung, wie ich Körpersprache eines Pferds zu lesen und zu interpretieren habe. Das ist sicherlich keine gute Voraussetzung, um sich auf den Rücken eines Pferdes zu setzen.

Nun war also der Tag gekommen, Caro und ich starteten mit einem gemeinsamen Frühstück und marschierten dann auf die Weide, um Dorick zu holen. Caro mit Schubkarre, Abäppel-Ausrüstung und Dorick am Führstrick. Ich mit leeren Händen (dass ich aber auch nicht an Leckerlis gedachte habe!!). Ich beschloss, schon mal Verbindung zu Dorick aufzunehmen und nahm Caro den Strick ab. Was macht das Pferd? Bleibt stehen. Ich drehe mich um und nicke ihm aufmunternd zu. Er geht drei Schritte – und bleibt wieder stehen. „Er nimmt Dich nicht ernst“, sagt Caro und grinst. Tssssssss. Ich richte mich auf, gehe – so finde ich – selbstbewusst weiter. Dorick rührt sich nicht. Neuer Versuch: Aufrichten, nicht umdrehen, losgehen. Es klappt! Dorick folgt mir in die Box, wo wir ihn putzen und fertig machen für meinen großen Moment.

Vorurteile und Erkenntnisse

Die wenigen Schritte zur Reithalle folgt er mir dann problemlos. Dort angekommen, räumten Caro und Dorick mit zwei meiner diversen Vorurteile schnell auf: Ich dachte immer, dass

  1. Bodenarbeit bestimmt langweilig ist.
  2. im Schritt zu reiten öde sein muss.

Geprägt von (zu) vielen Western („Der mit dem Wolf tanzt“ habe ich 20 Mal geschaut…), war ich stets davon ausgegangen, dass Reiten nur Spaß macht, wenn man im Galopp über Stock und Stein fliegt.

  1. dachte ich, dass ich das Pferd hinter mit herziehen muss, damit es mitkommt.

Schnell merkte ich, dass Punkt 1 und 3 nicht zutreffen: Wenn ich schnalzte und andeutete, einen Schritt nach vorn zu machen, marschierte Dorick los, wurde ich schneller, wurde er es auch, lehnte ich mich zurück, hielt er an. Nun ist mir klar, dass das wenig mit mir zu tun hat und wir zwei uns nicht ostwind-mäßig schockverliebt haben, sondern Caro da gründliche Vorarbeit geleistet und ihm das beigebracht hat. Trotzdem hätte ich das stundenlang machen können. Ich fand es so beeindruckend, dass dieses riesengroße Tier mir brav folgt und macht, was ich will. Ich konnte ihn rückwärts richten und seitwärts marschieren lassen, die Richtung wechseln, wobei das größte Problem darin lag, dass ich permanent links und rechts verwechsle und mich so ein paar Mal vertüddelt habe. Aber Dorick war nachsichtig.

Und dann war ich dran…

Der große Moment rückte näher, zunächst stiegt aber Caro aufs Pferd und ich beobachtete genau, was sie darauf tat (zumindest im Schritt, mehr traute ich mir eh nicht zu…). Gerade sitzen, mitwackeln, entspannt aussehen. Und dann war ich dran… und wurde plötzlich doch nervös. Ich wollte schon einen Rückzieher machen, da stand ich aber schon auf der Kiste, um aufzusitzen. Wahrscheinlich hat sich meine Unentschlossenheit auf Dorick übertragen, denn er machte immer genau dann, wenn ich mein rechtes Bein in den Sattel heben wollte, einen Schritt zur Seite. Das Spiel spielten wir einige Male, bis er endlich stehenblieb – und ich zum ersten Mal im meinem Leben auf einem richtig großen Pferd saß. Es war gar nicht so hoch, wie ich dachte. Und nach nur wenigen Schritten, verflog auch noch Vorurteil Nummer 2 (Schritt reiten = öde). Es war toll. Es war wirklich, wirklich toll. Dieses Gewackel war wie´ne Massage der Lendenwirbelsäule und die Tatsache, dass sich da ein Tier, ein großes Tier unter mir befand und kein Fahrrad, machte das Ganze enorm spannend – auch bei geringem Tempo. Es hatte fast etwas Meditatives und ich hab´ mich tatsächlich kurz geärgert, dass ich nicht reiten und somit bei schönem Wetter nicht auf einem Pferderücken durch die Wälder marschieren kann.

Runter war noch schwerer als rauf…

Meine Euphorie bekam beim Absteigen allerdings

einen Dämpfer: Mit Schwung sollte ich das rechte Bein rüberholen und dann einfach runterrutschen. Irgendwie wollte mein Bein aber keinen Schwung aufnehmen und so blieb ich am Sattel hängen und konnte weder vor noch zurück. Obwohl es bereits dunkel war, war ich mir sicher, Caro und Dorick mit den Augen rollen gesehen zu haben. Nun, irgendwie bin ich dann runtergekommen, aber mit der Grazie einer 90-jährigen Holzbeinträgerin. Kaum gelandet, spürte ich auch schon die Konsequenzen meiner ersten Reitstunde, die mich am nächsten Tag noch viel deutlicher an meine 20 Minuten im Sattel erinnerten: Mein Hintern tat dermaßen weh, dass ich nur auf weichen Polstern sitzen und mich nicht zügig bewegen konnte. Mit den Kindern auf dem Holzboden sitzen und Playmo spielen war tagelang nicht möglich.

Trotz des etwas unrühmlichen Endes meiner ersten Reitstunde, fuhr ich grinsend nach Hause. Das Gefühl war vergleichbar mit dem nach meiner bestandenen Fahrschulprüfung, oder dem nach einem erfolgreichen Bewerbungsgespräch oder dem nach einer Mathe-Klausur, vor der ich Respekt gehabt, sie aber dann doch irgendwie gemeistert habe. Es war wirklich richtig, richtig gut!

Ob ich nun regelmäßig reiten werde? Hm, weiß nicht. Es gibt Pros (es hat echt Spaß gemacht) und Contras (zeitintensiver Sport) und ich ringe noch mir mit, ob ich dem Reiten tatsächlich eine Chance gebe. Ich halte Euch auf jeden Fall auf dem Laufenden 😉

Tschööööööö!!!

Eure Stine

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