Pferd Mädchen Pony

Hallo in die Reiterstübchen-Runde!

Neulich hat mich eine andere Mutter gefragt, wie ich es denn so finde, dass meine Tochter reitet und ob ich schon was gelernt habe. Frage Nummer eins ist berechtigt, denn bekanntermaßen war ich anfangs nichts begeistert von dem Hobbywunsch meiner Tochter. Frage Nummer zwei ebenso, denn schließlich wollen wir Muttis gern voneinander lernen.

Antwort zu Frage eins:

Ich finde es gut. Ich finde es aber auch gut, dass sie zum Kinderturnen geht – nur ist das eine Sportart, die nicht so sehr für Gesprächsstoff sorgt, wie Reiten (eigentlich komisch, denn gefühlt reitet doch jedes zweite Mädchen). Aber Reiten ist halt klischeebehafteter (ein Umstand, den fast alle Reiter, mit denen ich mich bisher unterhalten habe, bestätigen): Reiten gilt als teuer, elitär und als Einzelsportart. Da ich bald einen ausführlicheren Artikel zu dem Thema schreiben will, an dieser Stelle nur so viel: Ja, Reiten ist teurer als Turnen, aber nicht unbezahlbar. Elitär? Weiß nicht. Ich habe bisher eine Erfahrung gemacht, die dieses Klischee bestätigt, aber unzählige, die es widerlegen. Und gegen Einzelsportarten kann ich als ehemalige Tennisspielerin nichts einwenden. Außerdem kann Reiten im Grunde gar kein „richtiger“ Einzelsport sein: Allein Reiter und Pferd sind ja schon zu zweit 😉

Die Antwort zu Frage Nummer zwei (was habe ich gelernt) ist umfassender, vielfältiger und im Folgenden vielleicht etwas überzogen dargestellt 😉

  1. Das Outfit muss stimmen. Reithose, Helm, Reitstiefeletten, Kniestrümpfe über der Reithose – dem Anlass angemessene Kleidung ist für den Reitnachwuchs offenbar ganz entscheidend. Dabei geht es nicht um Markenklamotten, aber die Kleinen wollen halt ungern als „Kind“ verkleidet (Leggins, Gummistiefeln und Fahrradhelm) aufs Pony klettern, sondern aussehen, wie echte Reiter.
  2. Pferde sehen nicht alle gleich aus. Für mich sehen Pferde mit gleicher Fellfarbe gleich aus. Was erst neulich zu Unverständnis führte: „Mama, das Pferd hat doch eine Krone, das da hinten eine Flocke und das da ein Flämmchen.“ Aha… Besorgt überlegte ich, ob der letzte Sturz vom Pferd doch Spätfolgen zeigt, bis mir eine erwachsene Reiterin das Vokabular rund um die Abzeichen der Pferde erläutert. Ich muss offenbar noch viel lernen (denn auch den Begriff „Abzeichen“ hatte ich bis dato eher mit Polizeiuniformen in Verbindung gebracht).
  3. Apropos Sturz: Zweimal ist meine Tochter schon vom Pferd geplumpst und entgegen meiner Vermutungen wieder aufgestiegen. Es ist sogar so, dass sie dem dritten Sturz nahezu entgegenfiebert. Denn eine erfahrene Reiterin hat ihr erzählt, dass man erst ab dem dritten Sturz ein echter Reiter ist.
  4. Kälte, Regen, Dunkelheit – alles egal. Als Stubenhocker würde ich meine Kinder nicht unbedingt bezeichnen, aber sie sind auch nicht solche Kinder, die immer mit der Nase an der Scheibe kleben, weil sie bei Wind und Wetter nach Draußen wollen. Das haben die Pferde geändert. Es kann Hageln, Stürmen und Gewittern – meine Tochter würde trotzdem mit dem Fahrrad zum Reitunterricht und zu ihrer vierbeinigen Freundin radeln.
  5. Ausfall in keine Option. Eine Reitstunde aufgrund einer Familienfeier oder anderen gesellschaftlichen Verpflichtung ausfallen zu lassen, ist nicht denkbar. Mein Mann hat´s einmal versucht:
  • „Nächsten Donnerstag hat xy Geburtstag, da wollen wir gern hin.“
  • „Gern – nach 16 Uhr. Vorher habe ich reiten.“
  • „Das kann man doch einmal ausfallen lassen.“
  • „Nein.“
  • „Einmal?“
  • „Nein.“
  • „Aber nach 16 Uhr lohnt sich nicht mehr.“
  • „Dann fahrt ohne mich, Ihr könnt mich anschließend im Stall wieder abholen.“
  1. Verdrehte Woche. Die Zeitrechnung bei uns läuft anders. Wir rechnen nicht mehr von Montag bis Montag, sondern von Donnerstag (= Reitunterrichtstag) bis Donnerstag.
  2. Pferdefilme, Pferdebücher, Pferde-ShirtsReiten ist scheinbar nicht nur ein Hobby, das man still und leise betreibt, es ist eine Haltung, die zumindest minderjährige Reiterinnen gern nach außen tragen, indem sie mit Pferden in jeder Größenordnung spielen, Pferde-CDs hören, Pferdefilme schauen, Pferdebücher lesen und vorzugsweise Bekleidung mit Pferden darauf tragen. Einfache Gleichung: Ist kein Pferd drauf = ist doof.

 

Mein Fazit: Ich find´s irgendwie süß, wie sich meine kleinen Damen (Tochter Nummer zwei ist mit ihren vier Jahren auch schon infiziert, wartet mit ihrer ersten Reitstunde aber noch bis zum fünften Geburtstag) fürs Reiten und für Pferde begeistern, etwas lernen wollen und täglich durch unseren Garten galoppieren. „Wir wissen nicht, was wir spielen sollen“ höre ich entsprechend auch nur höchst selten. Irgendwo findet sich immer ein Ast, den man als Gerte und ein Band, das man als Führstrick nutzen kann – und ab geht die Post 🙂

Eure Stine

 

 

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