Ride Your Pony

„Die Geschichte von Hermine ist gar nicht so lang oder zumindest das, was ich davon weiß“, fängt Ani Borgert an zu erzählen.

(Fast) jedes Pferd hat eine Vorgeschichte

Sie berichtet, dass die Vorbesitzer der Stute sie vor sechs Jahren als Kinderpony und Kumpel für den bereits bei den Leuten lebenden Esel vom Händler gekauft haben. Kurz darauf gab es eine riesengroße Überraschung. Es stellte sich heraus, dass Hermine hochtragend war. Also haben die neuen Besitzer die Stute erst einmal in Ruhe gelassen und auf das Fohlen gewartet. Als es dann so weit war und das Fohlen geboren wurde, fand man Mutterstute und Plazenta auf der Weide. Nur von dem Fohlen keine Spur. Nach der Suche hat man es ziemlich schwach etwas weiter hinterm Zaun gefunden. Fohlen und Stute sind dann in eine Klinik gebracht worden. Nicht nur für alle Beteiligten, doch auch für die Stute ein trauriger Schicksalsschlag: das Fohlen hat das leider nicht überlebt. Ani erinnert sich an die Geschichte: „laut der Klinik war das Fohlen massiv zu groß und hat bei der Geburt zu wenig Luft bekommen. Hermine ist dann zu ihren damaligen Besitzern und dem Esel zurückgebracht worden. Und ab da wurde sie zunehmend komischer. Halftern nicht möglich, Hufe geben lebensgefährlich, anfassen nur noch sehr selten und mit Panik in den Augen!“ Selbst fünf Jahre (!!!) später kam niemand an sie ran, es sei denn, es war grad Fütterungszeit. Bis dahin hatten die Besitzer, die mittlerweile Angst vor ihrem Pony hatten, noch gehofft. Doch nach all den Jahren gaben sie letztlich auf. „Eine gemeinsame Freundin hat sich Hermine angesehen und endschlossen, dass sie was für uns wäre“, berichtet Ani Borgert. „Unter etwas falschen Angaben -nämlich das Pony sei ca. 1,40 m und deckt Erwachsene prima ab-, sind wir also hingefahren und haben sie angesehen“, schmunzelt Ani heute. „Was wir vorfanden? Naja, ein super süßes Pony, das die blanke Panik in den Augen hatte.“

Erstes Kennenlernen

Hut ab vor Ani und ihren Begleitern. Am Stall von Hermine angekommen haben sie den mini-Offenstall betreten und es tatsächlich geschafft, die Stute zu halftern. „Man entwickelt da so seine Tricks“, zwinkert Ani. Nachdem sie dann das Pony aus dem Stall geführt hatten, war allerdings keineswegs heile Welt angesagt. „Jede Bewegung, jede Berührung und jedes Geräusch ließen die Maus zusammenzucken. Irgendwann war der Punkt erreicht und Sie beschloss uns anzugreifen. Hermine stieg und trat nach vorne“, erläutert Ani das Szenario. Auf der einen Seite also eine Ponystute, die sich stark verhaltensauffällig Menschen gegenüber verhält und zurück im Offenstall dann auch noch von ihrem Beisteller-Esel angegiftet wird. Ist so ein Tier überhaupt verkäuflich? Ani und ihre Schwester beratschlagen sich intensiv auf der Rückfahrt im Auto. Ist das ein Pferd, für die Tochter, die Hermine aufgrund von Größe und Statue als einzige reiten könnte? Zwei Tage und viel Hin und Her hat es gedauert: Hermine wird bei Ani ein neues zu Hause finden. Beim Abholen hat Ani dann wieder einen Trick angewendet: „Diesmal ging das mit dem Halfter schon deutliche besser. Der Hänger stand in Fahrtrichtung. Alles war vorbereitet. Wir also raus aus der Box und schnurstracks in den Hänger. Keine fünf Minuten später war sie verladen. Zu Hause angekommen, ging die Stute genauso brav vom Hänger runter.“

Neue Heimat gefunden

In ihrem neuen zu Hause lebt Hermine nun nicht mehr nur mit einem Esel zusammen, sondern hat richtige Pferdekumpels. Neun an der Zahl! Und unter denen befand sich auch noch ein ganz besonderer „Freund“. Heini, der Charmeur der Truppe, war sofort von Hermine begeistert. Und Hermine von ihm. 😉 Ani und ihre Familie haben ganz schön viel auf sich genommen, um Hermine das Einleben so einfach wie möglich zu machen. Dafür haben sie sich Zeit genommen zu beobachten, was und wer ihr guttut. Zum Beispiel gab es mit Oma Dolly Stress und im Offenstall ist sie nachts nicht zur Ruhe gekommen. Kein Problem für Ani und ihre Mannschaft: „dann wird eben umgebaut.“ „Seid Hermine über Nacht drin steht, ist sie wie ausgewechselt“, freut sich Ani, „sie steckt ihren Kopf ins Halfter und lässt sich führen. Die Beine durften wir innerhalb von einer Woche alle anheben.“ Dennoch wurde der erste Besuch vom Schmied mit gemischten Gefühlen erwartet. „Wir haben unseren Schmied vorgewarnt“, grinst Ani. Das Pony blieb artig.

Ride Your Pony

Hermine unterm Sattel

Ein langer Weg

Mit Hilfe eines Tierheilpraktikers wurde festgestellt, dass Hermine Magenschmerzen hat. Auch das haben Ani und ihre Familie mit Homöopathie in den Griff bekommen. Ani freut sich über die vielen kleinen Erfolge mit ihrer neuen Ponystute und die großen, positiven Veränderungen am Pferd. „Hermine hat Spaß und macht immer mehr von sich aus mit.“ Für Ani aber kein Grund, zu viel zu verlangen. Ihr Motto lautet „Stück für Stück kommt man sich näher“. Bevor das erste Mal geritten wurde, wurde das Pony erst an Sattel und Trense gewöhnt und dann langsam zum Beispiel auf einem Ponytrail an die Arbeit herangeführt.  Der Tag des ersten Rittes wurde dennoch mit großer Spannung erwartet. Und dann: nichts! „Wir waren schlichtweg begeistert, weil sie einfach nichts gemacht hat.“ Trotz der großen Verbesserungsschritte arbeiten sie viel mit dem Pony. Ani gibt zu: „leider funktionieren Bremse, Lenkung und Gas noch nicht.“ Aber für sie kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken. „Das Pony ist toll. Sie springt jeden Tag erneut über ihren Schatten und arbeitet mit uns. Wir sind noch nicht super weit aber dafür, dass wir sie noch nicht so lange bei uns haben, macht sie ihren Job extrem gut!“

Das war Hermines Geschichte. Wenn Du auch eine „Mutmachgeschichte“ habt, dann schreib uns.

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