Ride Your Pony

Jeder betrachtet die Welt und damit auch die Reiterwelt aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Mit RIDE YOUR PONY verfolgen wir das Ziel, dass Du die Möglichkeit bekommst, Dich so gut wie möglich zum Wohle Deines Pferdes zu verhalten. RIDE YOUR PONY versteht sich als Plattform für alle Reiter und Pferdefans, die „Pro Pferd“ denken und handeln. Über diese Seite kannst Du Dich vernetzen, von anderen lernen oder auch selber Hilfestellung geben. Weil aus unserer Sicht dazu auch Mut gehört und das berühmte „über den Tellerrand blicken“, haben wir die Rubrik „Mutmachgeschichten“ ins Leben gerufen. Hier präsentieren wir Dir Persönlichkeiten, die wir für gute „Mutmacher“ halten. Heute wollen wir Dir Ina Ruschinski vorstellen. Sie beschäftigt sich in besonderem Maße mit der Beziehung zwischen Pferd und Mensch.

RIDE YOUR PONY: Ina, Du beschäftigst Dich seit Jahren mit Pferden, hast einen Trainerschein, gibst Seminare und hast Bücher geschrieben. Gibt es eine positive Tendenz in dem Umgang der Menschen mit Ihren Pferden? Welche positiven Entwicklungen siehst Du?

Ina Ruschinski: Oh ja, ich sehe deutliche, positive Entwicklungen in dem Bewusstsein der Pferdemenschen. Leider gibt es auf der anderen Seite diametral dazu auch nach wie vor andere Tendenzen, vor allem im Pferdsport. Aber jene, die sich ein Pferd als Gefährten an ihrer Seite wünschen, suchen deutlich nach anderen Wegen- auf denen man sich in ihrer Fülle allerdings auch gut verlaufen kann. Als mein Buch „Dein Pferd – Spiegel deiner Seele „ Anfang 2011 erschien (2010 habe ich es geschrieben) gab es noch nicht viel vergleichbare Literatur und ich muss zugeben, dass ich ein gewisses Unbehagen verspürte, wie es in der Pferdewelt aufgenommen werden würde. Aber da ich unbekannt war und auch sonst keine Ambitionen hatte und habe ins Trainer-Rampenlicht zu treten, war es eigentlich auch egal. Ich dachte, das Buch, seine Botschaft, wird schon die Menschen finden, für die es wichtig sein könnte – so wie es auch mich gefunden hatte. Und ich war dann wirklich überrascht, wie sensationell viele Menschen -bis heute- darauf reagierten. Und mittlerweile gibt es eine Vielzahl von Pferdebüchern, die sich allesamt mit dem Thema auf unterschiedliche Weise befassen und sie alle finden ihre Leser*innen. Das ist toll und eine interessante Entwicklung. Wie gesagt, sehr viele sind auf neuen Wegen mit ihren Pferden unterwegs und wollen nicht mehr das verstaubte, dogmatische Alte. Denn wir sind heute frei, das an Beziehung mit unserem Pferd zu erleben, was wir uns wünschen: Achtsame, innige Verbindung, Liebe, Natur, Freude und nicht eine sportliche Tätigkeit.

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Fleur -vom Ride Your Pony Team- liest ein Buch von Ina Ruschinksi

RIDE YOUR PONY: Auf Dich aufmerksam geworden sind wir durch das Buch „Dein Pferd – Spiegel Deiner Seele“. Wie Du bereits angedeutet hast, ist das Buch nun kein klassisches Buch über Pferde und Reiten wie etwa die Richtlinien für Reiten und Fahren der FN, um einmal einen ganz deutlichen Kontrast zu nennen. Es steigt viel tiefer ein in die Beziehung zwischen Pferd und Mensch als herkömmliche Bücher dies vermögen. So forderst Du den Leser in einer Übung dazu auf, sich einmal Gedanken darüber zu machen, was das Pferd eigentlich über seinen Reiter/Besitzer erzählen würde. Wir finden das eine super spannende Überlegung. Allerdings birgt das auch die Gefahr, dass es durchaus Menschen gibt, denen das zu weit geht bzw. zu esoterisch ist. Was würdest Du diesen Menschen gerne sagen, um sie dennoch dazu zu ermutigen, einmal den Blickwinkel zu wechseln?

Ina: Ich finde es nicht esoterisch, weil ich mich selbst nicht als esoterisch bezeichnen würde. Ich bin ein spiritueller Mensch, im Sinne von Herz, Geist, Bewusstsein und Natur und das sind alles Facetten, die man beim Pferd findet und vertiefen kann, weil das Pferd auch all das lebt. Ich würde diese Übung als ein Bewusstwerden und Entwickeln seiner eigenen emphatischen Fähigkeiten sehen. Empathie in intensivster Form. Genau das brauchen wir im Umgang (nicht nur) mit Pferden. Sofort zu spüren, zu wissen, was ist mit meinem Pferd. Es zu antizipieren zum Beispiel im Training. Wie ergeht es ihm, was fühlt, was überfordert es in den jeweiligen Situation? Beim Reiten, in der Herde, im Stall und letztendlich im Zusammensein mit mir? Sehr gute alte Horsemen lebten zurückgezogene Stille und Achtsamkeit in vertiefter Konzentration mit dem Pferd. Sie wussten genau, was kommen würde, was es braucht. Dadurch strahlten sie eine Wohlfühl- Energie für das Pferd aus. Sie hätten es wohl selbst nicht unbedingt als spirituell bezeichnet, sondern vielleicht eher als vernünftigen, respektvollen Umgang mit dem Pferd.

Es verrät uns eine Menge über unser Pferd und vor allem auch über uns selbst, uns mit den Augen des Pferdes zu sehen. Wer bin ich im Spiegel des Pferdes? Das ist hoch spannend und aufschlussreich. Ich habe dazu in meinem Buch „Reiten als Spiegel des Herzens“ eine sehr schöne Übung: Reise in den Pferdekörper. Also, nur Mut: zur Empathie, zum Gefühl, zu Konzentration, Stille, Geist und Herz.

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Ina mit Fohlen

RIDE YOUR PONY: Du beschreibst, dass das Pferd dem Menschen vertrauen muss, um mit ihm sein zu wollen. Dafür – so empfiehlst Du – müssen wir dem Pferd Führung, Weisheit, Schutz und Freundschaft mit Nähe geben. Das ist nun manchmal einfacher gesagt als getan. So mancher versucht es mit Bodenarbeit, Spaziergängen, Ausritten oder unterschiedlichen Trainern, kommt aber doch nur mühsam weiter und das Zusammenwachsen mit dem Pferd will nicht so richtig klappen. Was rätst Du diesen Menschen?

Ina: Viel Zeit lassen, ganz bei sich und seinem Pferd bleiben, sich selbst aber immer wieder schonungslos reflektieren. Wie Du schon sagst, „Zusammenwachsen“. Und das dauert eine lange Zeit. Es gibt keinen schnellen Weg mit Pferden. Jedenfalls keiner, der trägt. Wenn es gut läuft, hat man 20 Jahre gemeinsame Beziehung miteinander. Und nach mindestens drei Jahren, wird dir das Pferd vertrauen, wenn du es einigermaßen richtig anstellst. Heißt: an sich selbst und seiner Ausstrahlung auf das Pferd zu arbeiten, an der Körpersprache, der eigenen Konzentration, dem eigenen Mut. Man darf Fehler machen. Gemeinsame Dinge zu erleben, schafft Vertrauen – denn ich muss auch lernen, meinem Pferd vertrauen zu können, das geht Hand in Hand. Wie reagiert es worauf? Ist mein Pferd verlässlich, so wie ich es brauche?

Bin ich der Mensch, dem mein Pferd sein Leben anvertrauen kann? Wenn es mit mir geht, gehen soll, will es genau das von mir wissen – führe ich es in Situationen, die immer gut für mein Pferd ausgehen? Führe ich es zu Futter und Wasser? Bin ich absolut einzuschätzen für mein Pferd, weil es immer weiß, wie ich wann und worauf reagiere und zwar immer gleich? Wenn man Pferdefreunde untereinander in der Herde beobachtet, kann man viel lernen. Einfach versuchen, die Rolle des führenden Pferdefreundes zu übernehmen, Grenzen setzen, Nähe zulassen, gemeinsam entspannen …

RIDE YOUR PONY: Welche Frage sollte sich aus Deiner Sicht jeder Reiter/Pferdemensch stellen, den der Mut verlassen hat? Zum Beispiel, weil er Angst vor gewissen Situationen mit dem Pferd hat, die er nicht überwinden vermag oder weil er sich mit seinem Pferd nicht so entwickelt wie erträumt.

Ina: Tja, man lebt mit seinem Pferd eine Beziehung und zwar bestenfalls über Jahrzehnte. Da sollte man schon gut zusammenpassen und sich lieben. Wenn man sich selbst oder das Pferd ständig überfordert, weil es einfach nicht passt, dann finde ich eine rechtzeitige Trennung nur verantwortungsvoll. Manchmal kann man an den Unterschiedlichkeiten und an den gestellten Anforderungen wachsen und genau deshalb stellen sie sich einem. Oder genau deshalb hat man sich das jeweilige Pferd ausgesucht – weil es einen Anteil in uns weckt und immer wieder zum Schwingen bringt, dem wir uns widmen müssen – wo wir bei uns, in uns, noch einmal genau hinschauen und hinspüren müssen. Vielleicht gibt es da etwas in uns zu heilen, frühe Erfahrungen, Ehrgeiz, der eigentlich nicht zu uns gehört…? Wenn wir das getan haben, wissen wir auch, ob wir mit unserem Pferd weitergehen wollen oder nicht. Vielleicht könnte es sonst bedeuten, dass wir uns durch das Pferd immer wieder neu selbst weh tun.

Im Grunde führt uns alles was wir mit unserem Pferd erleben oder tun, was wir uns wünschen und erhoffen oder womit wir auch scheitern, im Grunde zu uns selbst zurück, zu unserem tiefsten Inneren. Einfach leben, einfach sein, mit dem Pferd. Und zulassen, wohin der gemeinsame Weg führt. Wir haben viel Zeit miteinander. Wir brauchen uns keinen Druck von außen auferlegen zu lassen. Mit Herz (Liebe), Geist (Empathie, Konzentration, Stille), Selbstreflexion und erlernten Kompetenzen zum Pferdetraining, hat man alles für eine intensive Verbindung zu seinem Pferdegefährten.

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Ina beim Training mit ihren Pferden

Wir finden, das klingt nach einem schönen Weg, mit den Pferden umzugehen und danken Ina, dass sie sich die Zeit genommen hat, uns die Fragen zu beantworten. Wenn Du Fragen zu Lesungen oder Seminaren hast oder Du auch einfach nur so schreiben möchtest, kannst Du direkt mit Ina Kontakt aufnehmen: inaruschinski@web.de.

Um möglichst vielen Reitern und Pferdefans Mut zu machen, Neues mit ihrem Partner „Pferd“ auszuprobieren, sind wir für unsere Rubrik „Mutmachgeschichten“ immer auf der Suche nach neuen „Mutmachern“. Wenn Du einen Beitrag für uns hast oder jemanden kennst, der hier vorgestellt werden sollte: Gerne bei uns melden. Dabei ist es nicht wichtig, dass die Person so wie Ina bereits Buchautor*in und/oder Trainer*in ist. Es kann auch einfach eine Stallnachbarin oder liebe Freundin sein, die durch ihre Art anderen Mut macht und den Pferden hilft.

Vielen Dank an Ina für die Offenheit und bis bald!

Dein RIDE YOUR PONY – Team

PS.: Nach „Dein Pferd – Spiegel Deiner Seele“ lesen wir nun ihr Buch „Reiten als Spiegel des Herzens“. Mal sehen, ob uns das genau so überzeugt. 🙂

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